Es gibt Techniken, die über Jahrhunderte nahezu unverändert geblieben sind – nicht, weil sie alt sind, sondern weil sie vollkommen sind. Die Polimentvergoldung gehört zweifellos dazu. In ihr verbindet sich kunsthandwerkliche Präzision mit einer fast meditativen Ruhe, die man in modernen Verfahren kaum noch findet.
Alte Technik, zeitlose Schönheit
Die Wurzeln der Polimentvergoldung reichen bis in die Antike zurück. Über Klöster, Kathedralen und höfische Werkstätten fand sie ihren Weg in die großen Epochen der europäischen Kunstgeschichte. Besonders in der Barock- und Rokokozeit galt sie als höchste Form der Vergoldung – eingesetzt für Rahmen, Skulpturen und feine Möbel.
Das Besondere liegt in der Oberflächenwirkung: Das Licht scheint im Blattgold nicht zu reflektieren, sondern von innen zu leuchten. Dieses „tiefe Glühen“ entsteht durch den mehrschichtigen Aufbau – Kreidegrund, Poliment und schließlich das hauchdünne Blattgold.
Das Geheimnis liegt im Untergrund
Wer eine Polimentvergoldung ausführt, beginnt nicht mit Gold, sondern mit Geduld. Zuerst wird der Kreidegrund aufgetragen – eine Mischung aus Kreide und Hautleim, die den Untergrund glättet und formt. Danach folgt das Poliment, eine Verbindung aus Tonerde (Bolus) und Leim. Es dient als Haftgrund und bestimmt durch seine Farbe (meist rot, gelb oder schwarz) die spätere Farbtemperatur des Goldes.
Erst dann beginnt das Vergolden selbst: Das Poliment wird leicht angefeuchtet, das Goldblatt mit ruhiger Hand aufgeschossen und nach dem Trocknen mit Achat auf Hochglanz poliert. Ein Vorgang, der Ruhe verlangt – und dafür Glanz schenkt, der Generationen überdauert.
Materialien, die den Unterschied machen
- Polimentpulver – in den traditionellen Farbtönen Gelb, Rot, Schwarz und Grau
- Echtes Blattgold & Vergolderzubehör – für feinste Vergoldungsarbeiten
- Werkzeuge – Anschießer, Wasservergolderpinsel, Poliersteine (Achat), feine Schleifmittel
APATINA-Praxis: Schritt für Schritt zur Polimentvergoldung
- Untergrund vorbereiten: Holz fein schleifen, reinigen; Kreidegrund in mehreren dünnen Schichten auftragen, zwischendurch glätten.
- Poliment anrühren: Polimentpulver mit Wasser mischen, quellen lassen und mit warmer Leimlösung verbinden.
- Poliment auftragen: Mehrere dünne, gleichmäßige Schichten; vollständig trocknen lassen.
- Anschießen: Fläche leicht anfeuchten, Blattgold vorsichtig auflegen und andrücken.
- Polieren: Nach dem Trocknen mit Achat sanft polieren – der charakteristische Hochglanz entsteht.
Tipp: Sauberes Werkzeug, ruhige Bewegung und ausreichend Trocknungszeiten sind die beste Basis für ein perfektes Ergebnis.
Von der Werkstatt zum Video
Gemeinsam mit der Vergolderin Zita Breu und Restauratorin Johanna Esterházy haben wir ein neues Video produziert, das die Polimentvergoldung in Theorie und Praxis zeigt. Im Gespräch und an der Werkbank werden alle Arbeitsschritte anschaulich erklärt – vom Untergrund bis zum finalen Polieren.

▶ Video ansehen: „Die Kunst der Polimentvergoldung“
Fazit: Die Ruhe im Glanz
Vergolden ist mehr als eine Technik – es ist ein Dialog zwischen Material, Geduld und Licht. Wer sich darauf einlässt, entdeckt ein Stück zeitloser Schönheit. Und vielleicht auch die Freude daran, mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen, das Bestand hat.

